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Fragen an den Geschäftsführer: Heute Walter Fehr

Unser Interview-Format „Fragen an den Geschäftsführer" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unternehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen. Wir setzen die Serie fort mit Walter Fehr. Er ist Geschäftsführer unseres Mitgliedunternehmens Fehr Stahl- & Leichtmetallbau Heinrich Fehr GmbH in Trendelburg-Eberschütz.

Herr Fehr, seit wann besteht Ihr Unternehmen, wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie, und was bietet das Unternehmen?

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Walter Fehr, Geschäftsführer der Stahl- und Leichtmetallbau Heinrich Fehr GmbH

Die Anfänge unseres Familienbetriebes sind in der Dorfschmiede unserer Großväter zu finden, die bereits 1856 gegründet wurde und damals eine zentrale Anlaufstelle in Eberschütz, einem kleinen Ortsteil der Stadt Trendelburg, war. Heute wird das Unternehmen in fünfter Generation fortgeführt. Einen wichtigen Grundstein für die nachhaltige Ausrichtung hat mein Vater gemeinsam mit uns, seinen Söhnen, mit der Gründung der Stahl und Leichtbau Heinrich Fehr GmbH im Jahre 1994 gelegt. Sukzessive haben wir den traditionellen Handwerksbetrieb von einer reinen Schlosserei zu einem hochmodernen Anbieter für innovative Produkte und Dienstleistungen im Bereich Stahlbau, Glas-Metallfassaden, Fenster, Türen, Tore sowie Brand- und Einbruchschutz ausgebaut und bieten heute professionelle Standard- und Individuallösungen für den öffentlichen Dienst, Privatkunden, Unternehmen im In- und Ausland. Mit 17 Mitarbeitern – davon vier Metallbaumeister und Techniker im Team - ist unser Unternehmen für das regionale Metallhandwerk eine verlässliche Größe mit Tradition und steht für handwerkliche Qualität sowie Verlässlichkeit.  

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Durch die frühe Einbindung und das gemeinsame Aufbauen des Unternehmens mit unserem Vater mussten wir sehr früh Verantwortung übernehmen und Eigeninitiative zeigen. Parallel zu der Gesellschaftsgründung habe ich meine Ausbildung zum Schlossermeister und Maschinenbautechniker absolviert. Dadurch habe ich bereits während meiner Lehre wichtige Erfahrungen als Jungunternehmer sammeln dürfen und konnte die gelernte Theorie früh in der Praxis umsetzen.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

An meiner Tätigkeit schätze ich, dass ich mit Stolz das Familienunternehmen weiterführe und einen wertvollen Beitrag zur Region leiste, indem ich nicht nur jungen Menschen eine Ausbildung biete, sondern auch verantwortlich bin für das Wohl meiner Mitarbeiter und deren Familien.
Des Weiteren muss man sich als Geschäftsführer stets neu erfinden, kontinuierlich weiterentwickeln sowie neue Ideen mit Enthusiasmus und Ehrgeiz verfolgen, um am Markt erfolgreich existieren zu können. Kein Tag ist wie der andere. Es gibt ständig neue Herausforderungen, und man muss sich diesen stellen. Das macht für mich die Geschäftsführertätigkeit so spannend.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Bei einer Selbstständigkeit fließen Arbeits- und Privatleben ineinander über. Aber durch mein Herzblut an der Tätigkeit empfinde ich die Arbeitszeit nicht als Belastung, sondern gehe darin auf und ziehe daraus Energie. Nichtsdestotrotz versuche ich mir die Sonntage weitestgehend frei einzuteilen, um neue Kraft zu schöpfen. Die freie Zeit verbringe ich mit meiner Familie, engagiere mich im Vereinsleben aktiv - ehemals als Spartenleiter im Bereich Musik, die gerade in ländlichen Regionen einen starken Beitrag zur Gemeinschaft, Sport- und Kulturförderung liefert. Ich genieße die Zeit in der Natur beim Radfahren oder Gärtnern und verreise gerne mit meiner Familie oder Freunden. Darüber hinaus engagiere ich mich als Innungsobermeister und in der Vollversammlung der Handwerkskammer.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Unser Unternehmen ist in der ländlichen Region in Nordhessen angesiedelt. Hier haben wir vor allem mit der demographischen Entwicklung, Landflucht und Fachkräftemangel zu kämpfen. Die jungen Leute wandern in die Städte, da sie dort von einem breiteren Bildungsangebot, größeren Arbeitsmarkt sowie umfangreichen kulturellen und sportlichen Möglichkeiten profitieren. Hinzu kommt die mangelnde Infrastruktur, angefangen von der verkehrsseitigen Anbindung an die Städte bis hin zum Breitbandausbau. Vor kurzem haben sich die Einwohner unseres Dorfes mit einem Bürgernetz versorgt und so mäßigen Internetzugang erhalten.

Dies ist ein positives Beispiel für die Eigeninitiative der Bevölkerung, die sich ebenso in der starken Vereins- und Jugendarbeit zeigt. Nichtsdestotrotz sollte auch von politischer Seite die Attraktivität des ländlichen Raumes gestärkt werden, wie z. B. die Förderung des Netzausbaus, die Unterstützung von klein- und mittelständischen Unternehmen in der Region, die bessere Anbindung an den ÖPNV, die Erweiterung und Verbesserung der Bildungs- und Fortbildungsmöglichkeiten sowie ein attraktives Angebot von Sport und Kultur in ländlichen Gebieten.

Durch die gestiegene Standortattraktivität von Kassel – nicht nur wirtschaftlich und touristisch, sondern auch als Universitätsstadt - profitiert ebenso die Peripherie. So wünsche ich mir, dass das erfolgreiche Stadtmarketing weiterhin seine Früchte trägt.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?

Ich schätze vor allem die starke Gemeinschaft aus einzelnen Unternehmern, die in Summe erfolgreicher ist. Nicht nur das große Netzwerk von unterschiedlichen Unternehmen und Persönlichkeiten, sondern auch der stetige Informationsaustausch, kreative Anregungen, die gemeinsame Erarbeitung von zukunftsweisenden Ideen, das Angebot an weiterführenden Schulungen hilft jedem einzelnen, sich persönlich und beruflich weiterzuentwickeln und von der Arbeit des Arbeitgeberverbandes zu profitieren.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Tatsächlich sollte das Talent für unternehmerisches Handeln bei vielen Jugendlichen geweckt werden, da es selbst oft nicht erkannt zum Einsatz gebracht und gefördert wird. Wie bereits erwähnt, bin ich ein Verfechter der Vereinsarbeit. Hier können früh neben der Freude an der Mitgestaltung, unternehmerische Fähigkeiten erlernt werden, wie z. B. Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu organisieren, seine Wünsche und Ziele zu verfolgen, vor allem beim Mannschaftssport Risiko zu übernehmen und Einsatzbereitschaft zu zeigen. Daher halte ich die budgetären Kürzungen in diesem Bereich für falsche kurzfristige Entscheidungen, die nicht nur der Gemeinschaft, sondern vor allem der Entwicklung und Förderung von Kindern und Jugendlichen in der ländlichen Region schaden.

Des Weiteren sollte die Unterstützung bei der Berufsorientierung stärker in die schulische und universitäre Laufbahn integriert werden, u. a. über gemeinsame Projekte mit Handwerksbetrieben oder der Industrie, Vorträgen von erfolgreichen Jungunternehmern und einem Angebot von Kursen für Start-up Management. Auch die stärkere Vermarktung von "Best Cases" in der Region könnte ein Anreiz oder Vorbild für junge Leute sein.

Vor allem in unserem Metier, dem Handwerk, fehlen Jungunternehmer. Hier ist zum einen die positive kommunikative Arbeit der Handwerkskammer hervorzuheben, die in den vergangenen Jahren das Image der Branche deutlich verbessert und attraktiver gemacht hat. Jedoch ist es auch notwendig, Interessenten für Handwerksberufe früh Perspektiven und Chancen aufzuzeigen, wie sie sich weiterentwickeln können oder sie zu motivieren, selbst einmal einen eigenen Betrieb zu leiten oder mitzugestalten.

Vielen Dank, Herr Fehr!

Das Interview führte Frauke Syring, M.A.
Arbeitgeberverband HESSENMETALL Nordhessen

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